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GEZ-Psychologe: Nach Vergewaltigung wird das Leben anders sein, aber nicht schlechter

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Symbolbild Vergewaltigung | Foto: MiniStocker, shutterstock.com

Für nur 17,50 Euro im Monat kümmert sich der Staatsfunk um unser seelisches Wohl. Das ist unschlagbar günstig! Durchaus denkbar, dass das eine oder andere vergewaltigte Kind, die eine oder andere vergewaltigte Frau hernach so blöd ist, traumatisiert und panisch zu sein, das Urvertrauen verloren zu haben. Aber so schlimm ist so ein Gewaltakt ja nun auch wieder nicht. Zumindest dann nicht, wenn man sich auf das betreute Denken und Fühlen des GEZ-Psychologen Christian Lüdke einlässt.

Oder einfach nur Schnappatmung bekommt, wenn man seinen Ausführungen im WDR-Studiogespräch der „Aktuellen Stunde“ lauscht, denen zufolge sich das Leben nach so einer Vergewaltigung schon mal ändern kann, aber nicht schlimmer werden muss. Und außerdem: Kinder wie die fünf zwölf- und 14-jährigen Roma, die jetzt im nordrhein-westfälischen Mülheim ein 18-jähriges Mädchen überfallen und sexuell missbrauchten (COMPACT berichtete), nein, die müssen nicht vor den Richter; sind ja schließlich noch Kinder. Bestrafen und einsperren bringen nichts, so Lüdke. Man müsse ihnen Sozialisierung und Erziehung ermöglichen. „Sie müssen eine Einsicht bekommen in ihr Fehlverhalten. Und sie müssen Gelegenheit erhalten, das Ganze zu korrigieren.“

Auf Seiten der Opfer, auf die sich der langjährige psychologische Ausbilder von Polizei-Spezialeinheiten in NRW „spezialisiert“ hat, sieht es seiner Meinung nach folgendermaßen aus: Für die 18-Jährige etwa werde nichts mehr so sein, wie es vorher war. „Das grundlegende Sicherheitsgefühl ist erschüttert, das Vertrauen in die Menschen, in die Welt ist erschüttert“, räumt Lüdke ein. Von daher sei es wichtig für sie, stabilisierende Menschen in ihrem Umfeld zu haben, die Hoffnung und Zuversicht vermittelten. „Sie wird dann später ein anderes Leben führen, aber dieses Leben muss nicht unbedingt schlechter sein. Es ist einfach nur anders.“

Eines ähnlichen Narrativs bedient sich Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, für den die Medien mit ihrer intensiven Berichterstattung über herausragende Einzeltaten die Schuld trügen an Furcht vor Vergewaltigung: „Das prägt die eigene Wahrnehmung.“ Das verzerre die „Wahrnehmung von Kriminalität“, so der BKA-Chef gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit. Zahlen aus der Opferbefragung hätten ergeben, dass sich unter Frauen eine wachsende Furcht vor sexuellen Übergriffen breitmache, zumal die Medien bei Tätern von Gewaltverbrechen deutlich häufiger eine ausländische Herkunft als bei Opfern erwähnten – obwohl die tatsächlichen Fallzahlen sinken würden (COMPACT berichtete).

Und noch weniger schlimm wird so ein Vergewaltigungchen, wenn wir dieses hässliche Wort, das die Täter diskreditiert, durch „Erlebnis“ ersetzen, wenn es nach dem Willen von Missy-Autorin Mithu Sanyal geht. Sie will aus Opfern „Erlebende“ machen. Und zwar dudenfest. Die „Kulturwissenschaftlerin“ plädiert für einen Begriff mit „höchstmöglicher Wertungsfreiheit“ und beklagt, dass es „im Vergewaltigungsskript nur zwei Geschlechter gibt: Täter und Opfer. Wer Vergewaltigung sagt, denkt an aggressive Männer und ängstliche Frauen, an Penisse als Waffen und Vaginas als ungeschützte Einfallstore“. In einem Spiegel-Interview kritisierte sie die Fixierung auf Frauen als Opfer. Die Realität, nämlich dass Frauen tatsächlich 95 Prozent der Vergewaltigungsopfer in der Polizeilichen Kriminalstatistik ausmachen, „stelle ich infrage“. Das sei für sie nichts als ein gestriger „Opferdiskurs“; von solchen Peinlichkeiten wolle sie nichts mehr hören. Das Geschlecht von Tätern und Opfern sei für sie keine Kategorie. Von daher wolle sie, zumindest rein sprachlich, die Opfer ganz abschaffen. Die sollen in Zukunft besser „Erlebende“ heißen. Und wo es keine Opfer gibt, existieren auch keine Täter. Sehr praktisch, wie diese hier entlastet werden.

Sanyals groteske Umdeutung hatte für massive Empörung gesorgt – von Terre des Femmes, #ichhabenichtangezeigt über „Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt“ sowie Sisters, Femen oder „One Billion Rising“ bis hin zum Bloggerinnen-Kollektiv „Die Störenfriedas“: „Es ist nicht der Opferdiskurs, der Opfer degradiert. Es sind die Täter, nicht die Selbstbeschreibung der Opfer. Keine noch so euphemistische Umdeutung kann die Tat für ein Opfer ungeschehen machen, sehr wohl aber für den Rest der Gesellschaft!“ Und: „Sexuelle Gewalt ist kein Erlebnis. Sexuelle Gewalt ist ein Verbrechen.“ Das „Opfer sexueller Gewalt zu ‚Erlebenden’ zu machen, lässt die Gewalt aus dem Sprachgebrauch verschwinden“. Denn: „Sexuelle Gewalt ist eine Tat, vorrangig begangen von Männern an Frauen und Kindern. Von Erlebenden zu sprechen, bedeutet, die Tat selbst zum Erlebnis umzudeuten, ähnlich einem Konzertbesuch oder einem Urlaub.“

Quelle: Compact Online

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